Auch bei Pflegebedarf in familiärer Atmosphäre gut versorgt sein - die selbstorganisierte Pflege-Wohngemeinschaft "alle 9ne" im Generationenhaus Hallschlag macht es möglich

Wenn aufgrund von alters- und krankheitsbedingten Einschränkungen der Verbleib in der eigenen Wohnung nicht mehr möglich ist, denken viele Menschen an einen Umzug ins Pflegeheim als einzige Alternative. Bei einigen ruft diese Vorstellung Unbehagen hervor, leben doch in einer stationären Einrichtung meist sehr viele Menschen beieinander, was feste Strukturen und Abläufe erforderlich mach, die wenig Spielraum und Individualität zulassen.
Gut betreut und versorgt sein, aber zugleich über den Tagesablauf, die Gestaltung der Umgebung, die Zusammensetzung der Mahlzeiten etc. mitentscheiden dürfen - all dies ist in der selbstverantworteten Pflege-Wohngemeinschaft im Generationenhaus Hallschlag möglich. In einer großzügigen Dachgeschosswohnung mit herrlicher Dachterrasse leben 9 Menschen zusammen, die alle in gewissen Lebensbereichen in ihrer Selbständigkeit eingeschränkt sind und Unterstützung benötigen.

In familienähnlicher Atmosphäre werden die hier lebenden Menschen so gefördert und umsorgt, dass ihre Selbständigkeit erhalten bzw. gesteigert wird. Zweimal täglich kommt der ambulante Pflegedienst in die Wohnung, der außerhalb dieser Zeiten per Rufbereitschaft verfügbar ist. Ein festes Team qualifizierter Betreuungskräfte bzw. Alltagsbegleiter*innen gestaltet gemeinsam mit den Bewohner*innen den normalen Alltag und verfolgt dabei einen situativen Ansatz, d.h. die Betreuung orientiert sich zwar an einem gewissen Tagesablaufplan, der jedoch auf Grundlage der aktuellen Wünsche, Bedürfnisse und Befindlichkeiten der einzelnen variiert wir. Je nach Laune wird gemeinsam gespielt, gesungen oder Zeitung gelesen, aber wie in einer Wohngemeinschaft üblich, werden auch die Haushaltstätigkeiten gemeinschaftlich erledigt. Die Alltagsbegleiter*innen haben die Aufgabe, die Bewohner*innen zur Mithilfe bei der Wäscheversorgung und der Reinigung zu motivieren, ohne dabei Zwang auszuüben. Auch die Mahlzeiten spielen eine wichtige Rolle im Zusammenleben: das Frühstück wird flexibel eingenommen, damit sich niemand an feste Aufstehzeiten halten muss, doch Mittag- und Abendessen finden gemeinsam statt, um vor allem den Bewohner*innen mit kognitiven Einschränkungen eine gewisse Struktur anzubieten. In der Gruppe wird auch beratschlagt, welche Gerichte zubereitet werden sollen, die Einkäufe werden gemeinsam getätigt und die Essensvorbereitungen getroffen.

Auch das Begegnungs- und Servicezentrum im Erdgeschoss des Hauses ist ein willkommenes Ziel und manche Bewohner*innen nehmen gelegentlich an den Programmangeboten oder am Mittagstisch teil. Die gute Vernetzung des Begegnungs- und Servicezentrums wird genutzt, um die Wohngemeinschaft als wichtiges und festes Element des sozialen Lebens im Hallschlag zu verankern.

Auch das individuelle soziale Netz der Bewohner*innen besteht nach dem Einzug weiterhin: die Angehörigen und andere Bezugspersonen sind aktiv am WG-Leben beteiligt und regelmäßig vor Ort. Einmal im Monat tauschen sie sich im Rahmen des Angehörigengremiums mit den Leitungen des Betreuungs- und Pflegedienstes aus. Gemeinsam wird über notwendige Anschaffungen, Veränderungswünsche und vieles mehr gesprochen. Wie immer, wenn mehrere Menschen unter einem Dach leben, hängt die Wohn- und Lebensqualität entscheidend davon ab, dass sich alle Beteiligten partnerschaftlich verstehen und gegenseitig wertschätzen. Nur durch Kommunikation auf Augenhöhe kann der grundlegende Gedanke der Pflege-Wohngemeinschaft umgesetzt werden: Respekt vor der Würde und Selbstbestimmung der einzelnen Bewohner*innen unter Achtung der Bedürfnisse der Mitbewohner*innen.

 

 

 

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