Digitale Spiele sind ein fester Bestandteil jugendlicher Freizeitgestaltung (Vgl. JIM-Studie) und bieten Räume zum Ausprobieren, Entdecken und Experimentieren. Wieso sollten also diese Möglichkeiten in der pädagogischen Arbeit vernachlässigt werden? Die AWO Stuttgart hat mit dem Angebot „Gaming meets Waldheim“ ein neues Format für Heranwachsende geschaffen. In den Sommerferien wurden digitale Spiele mit Waldheimen kombiniert. So wurden neue Zugänge zu Jugendlichen geschaffen und die Erfahrungen aus einem etablierten Angebot genutzt.

Dank der Förderung der Stiftung Kinderland Baden-Württemberg konnte das ergänzende Angebot zu den bestehenden Waldheimen der AWO Stuttgart umgesetzt werden. Das Stadtmedienzentrum Stuttgart unterstützte das Projekt als Kooperationspartner mit Geräten und Räumlichkeiten und leistete damit einen wichtigen Beitrag zur Durchführung.

Zugänge schaffen: Gaming als Teil der Jugendarbeit

Über einen Zeitraum von zwei Wochen fand jeweils eine einwöchige Freizeit für Jugendliche im Alter von 12 bis 14 Jahren statt. Im Mittelpunkt stand die Idee, Jugendliche zu erreichen, die sich für digitale Spiele begeistern und klassische Waldheimangebote möglicherweise nicht von sich aus besuchen würden.

Insbesondere Titel wie Minecraft bieten große Chancen. Das Spiel gehört seit Jahren zu den bekannten und bei Kindern und Jugendlichen beliebten digitalen Spielen. Durch die Verbindung mit dem Waldheim entstand ein Angebot, das unterschiedliche Interessen zusammenbrachte. Jugendliche konnten ihre Begeisterung für Gaming einbringen, neue Erfahrungen sammeln und gemeinsam mit anderen Zeit verbringen.

So wurden Teilnehmende erreicht, die möglicherweise nicht an einer klassischen Waldheimfreizeit teilgenommen hätten. Gleichzeitig wurden sie Teil einer Gemeinschaft, in der gemeinsames Spielen, Austausch und neue Erlebnisse im Mittelpunkt standen.

Digitale und analoge Welten verbinden

Ein wesentlicher Schwerpunkt von „Gaming meets Waldheim“ liegt auf der Verbindung von digitalen und analogen Spielerfahrungen. Dabei geht es nicht darum, die eine Welt gegen die andere auszuspielen. Vielmehr sollen Gemeinsamkeiten entdeckt, Unterschiede sichtbar gemacht und Neugierde auf neue Erfahrungen geweckt werden.

Ein Beispiel dafür war in der Auftaktrunde von „Gaming meets Waldheim" das gemeinsame Bogenschießen mit einer Expertin im Waldheim. Die Jugendlichen konnten die Technik kennenlernen, selbst ausprobieren und ihre Erfahrungen miteinander teilen. Dabei entstand ein spannender Vergleich zu digitalen Spielen: In Minecraft genügt ein einfacher Mausklick, um einen Pfeil abzuschießen. In der realen Welt hingegen braucht es Übung, Körperkoordination und die richtige Technik, um einen Bogen sicher und gezielt zu bedienen.

Solche Erfahrungen zeigen, dass digitale Spiele Anknüpfungspunkte für die Auseinandersetzung mit der realen Welt bieten. Sie ermöglichen Gespräche über Fähigkeiten, Herausforderungen und die Unterschiede zwischen virtuellen und analogen Erfahrungen. Aus dem gemeinsamen Spielen entstehen so neue Lern- und Erfahrungsräume.

Gaming verstehen, statt Türen zu verschließen

Eine besonders interessante Rückmeldung eines Jugendlichen lautete: „Ich hätte nicht gedacht, dass so viele Minecraft spielen.“

Die Aussage macht deutlich, dass Vorstellungen über Gaming und die tatsächliche Lebenswelt von Jugendlichen nicht immer übereinstimmen. Für viele Heranwachsende ist Gaming ein selbstverständlicher Teil ihres Alltags und ihrer sozialen Beziehungen.

Für die medienpädagogische Arbeit bedeutet das: Wer Kinder und Jugendliche erreichen möchte, sollte ihre Interessen ernst nehmen und ihre Lebenswelt verstehen. Gaming bietet dabei Möglichkeiten, Beziehungen aufzubauen, Gemeinschaft zu fördern und pädagogische Impulse zu setzen.

Wenn digitale Spiele ausschließlich problematisiert oder verteufelt werden, besteht die Gefahr, wichtige Zugänge zu Jugendlichen zu verlieren. Medienpädagogik setzt deshalb auf einen differenzierten Blick. Sie nimmt sowohl die Chancen als auch die Herausforderungen digitaler Spiele in den Blick und schafft Räume, in denen Jugendliche ihre Erfahrungen teilen und reflektieren können.

„Gaming meets Waldheim“ hat gezeigt, wie wertvoll es ist, digitale Interessen in bestehende pädagogische Angebote einzubeziehen. Gemeinsames Spielen kann Brücken bauen – zwischen Jugendlichen, zwischen unterschiedlichen Interessen und zwischen der digitalen und der analogen Welt.

Gemeinsam erleben, spielen und wachsen

Über die einzelnen Aktivitäten hinaus stand die Gemeinschaft im Mittelpunkt des Angebots. Die Jugendlichen konnten gemeinsam spielen, neue Menschen kennenlernen und Erfahrungen außerhalb ihrer gewohnten digitalen Spielumgebung sammeln. Dabei wurden nicht nur digitale Kompetenzen angesprochen, sondern auch soziale Begegnungen, Teamarbeit und die Bereitschaft, sich auf neue Situationen einzulassen.

Das Projekt versteht Gaming damit nicht als Gegensatz zur klassischen Kinder- und Jugendarbeit, sondern als eine Möglichkeit, diese zu erweitern. Wenn pädagogische Angebote an der Lebenswelt junger Menschen anknüpfen, können neue Begegnungen entstehen und Teilhabe ermöglicht werden.

Nur durch Ehrenamt möglich

Ein besonderer Dank geht an die fünf ehrenamtlichen Betreuenden. Durch ihre Zeit, ihr Engagement und ihre Unterstützung konnte ein intensives und erfahrungsreiches Angebot für insgesamt 24 Jugendliche gestalten werden. Ohne die Unterstützung junger Menschen wäre eine solche Woche mit ihren vielfältigen Aktivitäten und Begegnungen nicht möglich gewesen.

Bereit für die nächste Runde

Durch die Förderung der Stiftung Kinderland Baden-Württemberg und die Kooperation mit dem Stadtmedienzentrum Stuttgart wird es weitere „Gaming meets Waldheim“- Angebote geben. In den Herbstferien (26.-30.10.2026) gibt es ein Format für zehn bis 12-Jährige und in den Sommerferien 2027 wieder zwei separate Wochen für 12 bis 14-Jährige. Informationen und Anmeldung werden auf dieser Übersichtseite zur Verfügung gestellt.

Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Ahmed Özcan (Medienpädagoge bei der AWO Stuttgart): 0155 62570741 oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

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