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Einleitungsbild Geflüchtete im Vorteil - oder doch nur ein Vorurteil?
Geflüchtete im Vorteil - oder doch nur ein Vorurteil?

  Faktencheck #12

Viele Menschen glauben, dass Geflüchtete nach Deutschland kommen, um Sozialleistungen zu bekommen und dabei mehr Geld erhalten als Deutsche. Das ist ein Vorurteil. In diesen Faktencheck zeigen wir, welche Leistungen Asylsuchende wirklich bekommen und was das für ihr Leben bedeutet.

Wichtig ist zuerst: Geflüchtete im Asylverfahren bekommen kein Bürgergeld. Sie erhalten Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG).

Das Bürgergeld sichert in Deutschland das Existenzminimum. Alleinstehende Erwachsene bekommen derzeit 563€ im Monat. Zusätzlich werden die angemessenen Kosten für Miete und Heizung übernommen.1

Asylsuchende bekommen deutlich weniger Geld. Alleinstehende Erwachsene erhalten 455€ im Monat. Das sind etwa 20% weniger als beim Bürgergeld.2 Asylsuchende leben damit unter dem Existenzminimum.

Oft bekommen Geflüchtete das Geld auch nicht direkt ausgezahlt. In Erstaufnahmeeinrichtungen erhalten sie zum Beispiel Essen, Kleidung und Hygieneartikel. Dazu kommt nur ein kleines Taschengeld. Dieses reicht oft nicht für Busfahrten, Telefon, Internet oder soziale Teilhabe.3

Erst wenn ein Asylverfahren positiv abgeschlossen ist oder eine Person seit mindestens 36 Monaten in Deutschland lebt, kann sie Bürgergeld bekommen. Bis dahin leben viele Geflüchtete über lange Zeit mit sehr wenig Geld.3

Das Asylbewerberleistungsgesetz erlaubt außerdem starke Kürzungen. Menschen mit festem Ausreisetermin bekommen teilweise nur noch das Nötigste – auch als „Bett, Brot und Seife“ bezeichnet. Auch wenn ein anderer EU-Staat zuständig ist, können Leistungen stark gekürzt oder ganz gestrichen werden.4

Ein weiteres Problem ist die falsche Einstufung der Leistungen. In Gemeinschaftsunterkünften wird oft angenommen, dass Bewohner*innen gemeinsam wirtschaften. In Wirklichkeit kennen sie sich meist nicht. Trotzdem bekommen sie weniger Geld, als sie eigentlich bräuchten.5

In der öffentlichen Diskussion wird oft auf Geflüchtete aus der Ukraine verwiesen. Sie erhalten wegen einer besonderen europäischen Regelung direkt Bürgergeld. Das ist eine Ausnahme und gilt nicht für andere Geflüchtete. Dieser Sonderstatus soll jedoch bald eingeschränkt werden. Die Bundesregierung hat dazu ein neues Gesetz vorbereitet.6

Der Faktencheck macht deutlich: Geflüchtete werden nicht bevorzugt. Sie leben oft unter sehr schwierigen Bedingungen. Soziale Sicherheit sollte niemandem abgesprochen werden, besonders nicht Menschen, die sich ohnehin in unsicheren Lebenslagen befinden.

1 Leistungen und Bedarfe im Bürgergeld - BMAS

2 Leistungssätze nach dem Asylbewerberleistungsgesetz - BMAS

3 Leistungen für Geflüchtete: Ministerium der Justiz und für Migration Baden-Württemberg

4 Leistungsausschluss bei Dublin-Fällen: Erste Rechtsprechung bestätigt Warnungen des Paritätischen - Der Paritätische - Spitzenverband der Freien Wohlfahrtspflege

5 Informationsverbund Asyl & Migration - Detail

6 Leistungs­rechts­anpassungs­gesetz im Kabinett beschlossen - BMAS

 

Einleitungsbild Ehrenamt im Ruhestand - eine sinnvolle Beschäftigung
Ehrenamt im Ruhestand - eine sinnvolle Beschäftigung

Holger (Name geändert) ist seit einigen Jahren im Ruhestand. Den größten Teil seines Berufslebens hatte er bei einem Automobilhersteller in Zuffenhausen verbracht. Der Übergang in den neuen Lebensabschnitt war daher eine spürbare Veränderung. Für ihn stand jedoch von Anfang an fest, dass er sich nicht einfach zurücklehnen und abwarten würde, was kommt. Stattdessen machte er sich früh einen Plan.

Besonders wichtig war ihm der soziale Kontakt. Kolleginnen und Kollegen lassen sich zwar nicht einfach ersetzen, aber Holger war überzeugt, dass es genügend andere Menschen im Ruhestand geben musste, denen es ähnlich ging. Also beschloss er, jeden Tag zum Mittagessen zu gehen und zwar möglichst immer in ein anderes Restaurant. Da er schon früher häufig essen gegangen war, hatte er sich schon früh informiert, wo es einen Mittagstisch gab. Dass er dort allerdings regelmäßig auf bekannte Gesichter treffen würde, überraschte ihn dann doch. Oft saßen frühere Bekannte am Tisch oder sogar seine Nachbarin. Mit der Zeit blieb man auch mal länger sitzen, es entstanden feste Runden, fast schon Stammtische.

So wichtig die Gespräche auch waren, ganz allein darauf wollte Holger sich nicht verlassen. Fit bleiben sei schließlich genauso wichtig, meinte er und nur vom Reden bleibe man nicht beweglich. Trotzdem waren genau diese Gespräche entscheidend, denn ohne sie hätte er von vielen Möglichkeiten gar nichts erfahren. Er hörte von Menschen, für die die Rente finanziell nicht ausreichte und die deshalb weiterarbeiteten. Ihm selbst ging es weniger ums Geld als um eine sinnvolle Beschäftigung. Dabei erfuhr er, wie vielfältig ehrenamtliches Engagement sein kann. Besonders blieb ihm die Erzählung eines Bekannten im Kopf, der Fahrdienste für ältere Menschen übernahm.  Eine Idee, die Holger zuerst etwas amüsant fand.

Der entscheidende Kontakt ergab sich schließlich über seinen Sohn, der einen früheren Schulfreund hatte, der bei der AWO arbeitet. Holger sprach ihn darauf an und wenig später war er selbst bei den mobilen Diensten aktiv. Heute begleitet er Seniorinnen und Senioren beim Einkaufen, fährt sie zu Arztterminen oder hilft bei kleinen Reparaturen im Haushalt, etwa beim Wechseln von Glühbirnen.

Für Holger ist das Engagement eine klassische Win-win-Situation: Er bleibt beschäftigt, und gleichzeitig wird Menschen geholfen, die auf Unterstützung angewiesen sind. Oft mache die Arbeit sogar richtig Spaß. Dennoch merkt auch er inzwischen, dass er langsam kürzertreten muss. Der Körper meldet sich. Gerade deshalb wünscht er sich, dass es eines Tages auch für ihn Hilfe geben wird, sollte es ihm selbst einmal nicht mehr so gut gehen. Durch seine Tätigkeit sei ihm erst richtig bewusst geworden, wie viele Menschen im Alltag auf Unterstützung angewiesen sind.

Die AWO Stuttgart bietet verschiedene Möglichkeiten für eine ehrenamtliches Engagement an. Ganz klassisch oder auch für eine Aufwandsentschädigung. In der Altenhilfe können Sie sich in einem unserer Begegnungs- und Servicezentren oder einem unserer Stadtteilhäuser einbringen. Beispielsweise in der Cafeteria oder in den Kursen. Gerne aber auch in der Nachbarschaftshilfe, oder wie Holger, bei unseren mobilen Diensten. Infos erhalten sie vor Ort oder bei der Bereichsleitung Oliver Scherer unter 0711/21061-55 oder auf unserer Website unter www.awo-stuttgart.de. 

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"Egal was kommen wird, es wird gut gehalten."

Julia ist Teilnehmerin im aktuellen Qualifizierungskurs unseres Hospizdienstes, der im vergangenen Herbst gestartet ist. Sie wird uns in den kommenden Monaten in unregelmäßigen Abständen von ihrer Reise durch den Kurs und den Start in die ehrenamtliche Hospizarbeit berichten.Julia ist 44 Jahre alt und wohnt mit ihrer Familie in Stuttgart. Sie arbeitet als Heilpraktikerin, beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie, in eigener Praxis.



Erzähl doch mal, wie du zu der Idee kamst, Hospizarbeit machen zu wollen.
Das Thema war schon lange in meinem Kopf. Es war für mich so klar, dass ich dies irgendwann machen werde, dass ich das auch immer wieder zu Menschen im Bekanntenkreis gesagt hatte. Ich wusste nur noch nicht, wann der richtige Zeitpunkt dafür ist.

Was meinst du damit?
Auch wenn ich wusste, dass ich Hospizarbeit machen möchte, habe ich einen gewissen Respekt gespürt. Zudem hätte diese Aufgabe einfach noch nicht in mein Leben gepasst. Vor allem hatte ich aber das Gefühl, dass ich selbst für mich noch ein bisschen innere Auseinandersetzung mit den Themen Sterben, Tod, Trauer brauchte – um bereit dafür zu sein, andere Menschen darin zu begleiten. Meine Eltern sind früh gestorben, was viel Verarbeitung brauchte. Vor allem der frühe, schwere Verlust meiner Mutter war sehr prägend für mich.

Was hatte sich dann verändert, so dass du nun Teilnehmerin unseres Kurses bist?
Das Thema hat sich für mich weiter verdichtet. Durch eigene Erfahrungen der vergangenen Jahre, aber auch durch meine therapeutische Arbeit, in der ich inzwischen einen Schwerpunkt auf Trauerarbeit gelegt habe. Zudem ist vor einem Jahr ein mir sehr nahestehender Onkel verstorben. Damals hätte ich ihn gern enger begleitet, was aber von ihm nicht gewünscht war. Er war ein Mensch, der für sich sterben wollte. Das war spürbar. Ich war dann froh über die Momente, die ich ihn noch sehen konnte. Und habe dabei wieder gemerkt, wie groß mein Wunsch ist, Menschen in solchen Situationen zu begleiten – Menschen, die sich auch begleiten lassen möchten! Ich wusste dann, dass der Moment, den Schritt in die Sterbebegleitung zu gehen, nun da ist.

Wie bist du dann zur AWO gekommen?
Ich hatte vor zwei Jahren schon einmal Kontakt aufgenommen mit Christoph (Keiper) und mich damals aber gegen den startenden Kurs entschieden. Es passte für mich noch nicht. Mit der neuen Kontaktaufnahme habe ich dann richtig gespürt, dass jetzt die Zeit reif ist, dass ich diese Aufgabe nun wirklich angehen will.

War es für dich wichtig, dass der Hospizdienst der AWO nicht-konfessionell und humanistisch ausgerichtet ist?
Bei meiner ersten Recherche hatte ich schnell die AWO gefunden und sofort gewusst, dass das viel besser zu mir passt. Ich bin zwar offiziell evangelisch, habe aber recht wenig Bezug zur Kirche. Und alles, was ich zur AWO gelesen hatte und zum Hospizdienst, hat mich direkt angesprochen. Gerade die humanistische Grundhaltung. Ich bin nach humanistischen psychotherapeutischen Methoden ausgebildet und diese Sichtweise auf den Menschen und dessen Begleitung entspricht mir total. Das hat sich einfach alles sehr stimmig angefühlt!

Der Qualifizierungskurs ist nun in vollem Gange. Wie war der Start für dich?
Ich hatte mich schon die Monate vorher sehr auf den Start gefreut und dachte des Öfteren: Wann geht's jetzt endlich los? Der Start war dann sehr angenehm. Es war vom ersten Termin an eine Atmosphäre, in der ich mich wohlgefühlt habe. Wir haben zunächst viel zum Thema Kommunikation gemacht und bislang noch recht wenig zu eigenen Erfahrungen mit dem Tod. Das heißt, bisher war es noch nicht so intensiv für mich bezüglich eigener emotionaler Selbsterfahrung. Sollte ich hier mit meinen Themen in Kontakt kommen, weiß ich auch momentan nicht genau, wie das für mich werden wird. Aber es ist dieses Gefühl da: egal was dort kommen wird, es wird gut gehalten.

Gibt es Inhaltlich etwas, wo du sagst, das hat direkt stark resoniert mit dir?
 Zurzeit machen wir viele Rollenspiele und jeder darf sich als Begleiterin oder Begleiter ausprobieren. Dabei wird aus meiner Sicht besonders deutlich, wie unterschiedlich wir alle sind und dass diese Vielfalt sehr wertvoll ist für unsere künftige Aufgabe. Wir lernen gemeinsam, probieren uns gemeinsam aus – dabei gibt es kein Richtig und kein Falsch. Und jeder geht künftig mit seiner und ihrer persönlichen Lebensgeschichte und -erfahrung in die Begleitungen. Das finde ich sehr schön und auch hier erkenne ich die humanistische Grundhaltung wieder.

Hast du bereits eine konkrete Idee dazu entwickeln können, wie du ab dem kommenden Sommer dann selbst in Sterbebegleitungen gehen wirst?
 Ich glaube, es ist ganz wichtig, auf die eigene Intuition und das, was sich jetzt im Laufe des Kurses entwickelt, zu vertrauen. Denn es wird sicherlich Situationen geben, mit denen ich vorher nicht gerechnet hätte oder die vorher auch wenig planbar sind. Ich habe auch einen Teil in mir, der gerne planen möchte, der gerne vorbereitet ist und der gerne die Kontrolle behält. Da merke ich immer wieder, wie gut es tut oder wie wichtig es ist, sich in unvorhergesehenen Situationen einfach einzulassen und im Vertrauen zu bleiben. Um im jeweiligen Moment so zu handeln, wie es sich gut anfühlt. Intuitiv und authentisch. Die Art und Weise, wie wir im Kurs über diese potenziellen Situationen sprechen, hilft mir dabei.

Einleitungsbild Die Weihnachtsfeier der Gemeinschaftsunterkunft Obertürkheim
Die Weihnachtsfeier der Gemeinschaftsunterkunft Obertürkheim

Wenn im Stadtteil- und Familienzentrum Heidelbeere in Obertürkheim die ersten Lichter angehen und sich der Duft von Kinderpunsch, Chai und Lebkuchen ausbreitet, beginnt für viele Familien aus unserer Gemeinschaftsunterkunft ein ganz besonderer Moment: Die alljährliche Weihnachtsfeier im Rahmen einer Wunschbaumaktion organisiert durch den Freundeskreis Obertürkheim und Wangen. Die Wünsche der Kinder im Wert von maximal 20 Euro wurden zuvor in der Kirchengemeinde Obertürkheim ausgehängt und von einzelnen Privatpersonen besorgt und liebevoll eingepackt.

Als wir die Räumlichkeiten betreten, leuchten die Kinderaugen, da sie sich bereits Wochen zuvor Gedanken zu Ihren Wünschen für die Wunschbaumaktion gemacht hatten. Wünsche wie beispielsweise Spielzeugautos, Puppen, Fußbälle oder auch Trikots haben Sie für den Weihnachtsmann aufgeschrieben oder gemalt. Die Tische des Stadtteilzentrums sind weihnachtlich geschmückt und mit Bastelmaterial versehen, sodass die Wartezeit für die große Geschenkübergabe noch in gemeinschaftlichen spielerischen Aktionen überbrückt werden kann. Es wird laut gesprochen und gelacht – die Stimmung ist ausgelassen und alle sind in Vorfreude auf das große Highlight: den Weihnachtsmann, welcher nach einer ganzen Weile bepackt mit allen Geschenken durch die Tür stürmt. Die Kinder laufen aufgeregt durcheinander, manche stürmen auf den Weihnachtsmann zu, andere bleiben noch ängstlich bei Ihren Eltern stehen. Doch als der Weihnachtsmann die Namen jedes einzelnen Kindes aufruft, springt selbst das schüchternste Kind über seinen Schatten und holt voller Stolz sein Geschenk persönlich ab. Danach wird sich verabschiedet und Kontakte werden ausgetauscht, bevor alle Familien ganz beseelt wieder zurück in die Gemeinschaftsunterkunft gehen, um dort die Geschenke auszupacken.

Seit Jahren engagiert sich der Freundeskreis Obertürkheim und der Freundeskreis Wangen insbesondere zur Weihnachtszeit für die Familien der Unterkunft in Obertürkheim. Seit letztem Jahr auch zusätzlich durch die Kooperation des Stadtteil- und Familienzentrums Heidelbeere. Die Weihnachtsfeier bringt die Menschen zusammen, die sich sonst vielleicht nie begegnet wären – Familien aus der Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete, engagierte Ehrenamtliche, Nachbarinnen und Nachbarn aus dem Viertel. Es entsteht der Raum für echte Gespräche, für neugierige Fragen, gemeinsames Lachen und spielerisches Kennenlernen. Gleichzeitig ist dieser Abend besonders auf die Kleinsten ausgelegt und soll den Kindern vermitteln, dass ihre Wünsche wichtig sind und gesehen werden. So verbinden die Weihnachtsfeier und die Wunschbaumaktion das Schöne mit dem Bedeutenden: Freude schenken und Gemeinschaft stärken.  

 

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