Seit 2021 arbeiten wir als Sozialarbeitende des Fachkräftetandems in zwei Stuttgarter Stadtteilen mit Familien in Sozialunterkünften. Das Tandem besteht nun aus uns Sozialarbeitenden der AWO in der Elternberatung und unseren Kolleg*innen der Mobilen Jugendarbeit der EVA Stuttgart und des Caritasverbands Stuttgart, die Angebote für Kinder und Jugendliche gestalten. Mit den Eltern füllen wir häufig Anträge aus, reagieren gemeinsam auf Briefe, vereinbaren Termine und begleiten sie bei Bedarf auch dort hin.
Dabei nehmen wir regelmäßig wahr, dass gesellschaftlich akzeptierter und strukturell verankerter Antiziganismus Ausschlüsse auf vielfältige Weise legitimiert und reproduziert. Als Rom*nja gelesene Menschen erleben beispielsweise bei Arztbesuchen oder in Behörden häufig Hürden, unverhältnismäßige Anforderungen oder eine abfällige Behandlung. Es gibt viele weitere Beispiele, die die tiefe Verankerung der Diskriminierung von Rom*nja auf individueller und struktureller Ebene belegen. Es gibt sämtliche weitere Beispiele, die die die tiefe Verankerung der Diskriminierung von Rom*nja auf individueller und struktureller Ebene belegen.
Der Zentralrat Sinti und Roma schreibt 2017 in seiner Arbeitsdefinition über Antiziganismus Folgendes: „Antiziganismus […] umfasst 1. eine homogenisierende und essentialisierende Wahrnehmung und Darstellung dieser Gruppen [der Sinti*zze und Rom*nja]; 2. die Zuschreibung spezifischer Eigenschaften an diese; 3. vor diesem Hintergrund entstehende diskriminierende soziale Strukturen und gewalttätige Praxen, die herabsetzend und ausschließend wirken und strukturelle Ungleichheit reproduzieren.” (S. 5). Wir nehmen wahr, dass auch von Mitarbeitenden des Hilfesystems teils pauschalisierende und stereotypisierende Aussagen getroffen werden, die sich mit Sicherheit auf ihr Angebot an die Familien auswirken. Antiziganismus wird normalisiert.
Deshalb wollen wir betonen: Der Zero Discrimination Day gilt für Sinti*zze und Rom*nja ebenso wie für alle anderen von Diskriminierung betroffenen Menschen. Wir sprechen uns für eine Gleichbehandlung aller Personen und gegen willkürliches Misstrauen von Behördenmitarbeitenden gegenüber als Rom*nja gelesenen Personen aus! Wir verurteilen zutiefst Kulturalisierungen prekärer Lebensumstände, die nicht freiwillig gewählt sind, sondern aufgrund von Not und unzureichender Unterstützungsangebote bestehen. Und wir fordern eine selbstkritische Auseinandersetzung aller Menschen mit ihren antiziganistischen Denkmustern.
Verfasst von Johanna Franke, Melina Šanta und Babel Dahmash
Weiterführende Informationen und Links:
- Meldestelle MIA: Meldung von antiziganistischen Äußerungen und Taten https://www.antiziganismus-melden.de/
- Amaro Foro e. V.: Antidiskriminierungsarbeit, Informationen und Publikationen https://amaroforo.de/materialien/