Seit Anfang des Jahres hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) die Zulassung zu Integrationskursen für bestimmte Personengruppen ausgesetzt. Hauptsächlich betroffen sind Personen im Asylverfahren, Personen mit einer Duldung, EU-Bürger*innen und Geflüchtete aus der Ukraine mit dem §24 AufenthG. 

eser Zulassungsstopp für Integrationskurse hat weitreichende Konsequenzen für die Träger von Integrationsmaßnahmen und vor allem für die Menschen, die auf diese Kurse dringend angewiesen sind. Als Träger von sowohl Integrationskursen als auch von Beratungsdiensten wie der Migrationsberatung für Erwachsene (MBE), dem Jugendmigrationsdienst (JMD) und des Sozialdienstes für Geflüchtete, erleben wir als AWO Stuttgart die Auswirkungen dieser Entscheidung bereits jetzt sehr konkret.

Integrationskurse sind ein zentrales Element für die Integration. Sie ermöglichen Teilnehmenden den Zugang zur deutschen Sprache, zur Gesellschaft und zum Arbeitsmarkt. Der Zulassungsstopp führt jedoch dazu, dass deutlich weniger neue Teilnehmende in die Kurse einmünden können. Die direkte Folge davon sind weniger Kurse, geringere Einnahmen und eine schleichende Erosion unserer Infrastruktur. Langfristig gefährdet dies den Erhalt von qualifiziertem Lehrpersonal, bewährten Kursstrukturen und gewachsenen Netzwerken.

Gerade in Zeiten steigender gesellschaftlicher Herausforderungen ist diese Entwicklung kontraproduktiv und kurzsichtig.


Folgen für unsere Klient*innen: Verzögerte Integration und soziale Ausgrenzung

Noch gravierender sind die Auswirkungen für die Menschen, die wir in unseren Beratungsdiensten begleiten. Bei unseren Klient*innen  zeigt sich täglich, wie zentral der Zugang zu Integrationskursen für eine gelingende Teilhabe ist.

Der fehlende oder stark verzögerte Kurszugang bedeutet:

  • Verzögerung der Integration: Ohne Sprachkenntnisse bleiben gesellschaftliche Teilhabe und selbstständige Lebensführung stark eingeschränkt.
  • Kein Zugang zum Arbeitsmarkt: Sprache ist der Schlüssel zu Ausbildung, Arbeit und wirtschaftlicher Unabhängigkeit. Ohne Kurs bleiben viele Menschen langfristig von staatlichen Leistungen abhängig.
  • Erschwerte Bildungsbegleitung: Eltern, die kaum Deutsch sprechen, können ihre Kinder in Schule und Kita nicht angemessen unterstützen was geringere Bildungschancen und weniger soziale Integration der nächsten Generation bedeutet.
  • Fehlende Tagesstruktur: Integrationskurse bieten Orientierung, Struktur und soziale Kontakte, insbesondere für Menschen, die ganz neu in Deutschland sind. Ohne diese Strukturen drohen Isolation, Perspektivlosigkeit und psychische Belastungen.


Integration braucht Verlässlichkeit

Integration ist kein kurzfristiges Projekt, sondern ein langfristiger gesellschaftlicher Prozess. Er benötigt stabile Strukturen, verlässliche Finanzierung und politischen Willen. Der aktuelle Zulassungsstopp konterkariert diese Grundprinzipien. Anstatt Integration zu fördern, werden, mit hohen sozialen und wirtschaftlichen Folgekosten, Hürden aufgebaut.

In diesem Zusammenhang hat sich die AWO Stuttgart daher an der Stellungnahme des Fachausschuss Migration der LIGA der freien Wohlfahrtspflege in Stuttgart beteiligt (hier der Link zur Stellungnahme) sowie an der Stellungnahme des Stuttgarter Sprachkursträgernetzwerkes. Außerdem hat sich der AWO Bundesverband an der Stellungnahme des „Bündnis Gesamtprogramm Sprache retten“ beteiligt (hier die Stellungnahme).

Wir fordern eine schnelle Aufhebung des Zulassungsstopps und eine nachhaltige Sicherung der Integrationskursstrukturen, denn gelingende Integration stärkt nicht nur die betroffenen Menschen, sondern unsere gesamte Gesellschaft.

KONTAKT

Arbeiterwohlfahrt
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