
Dr. Harald Strauß, Bereichsleiter Kinder- und Jugendhilfe der AWO Stuttgart
Wenn in der Kommunalpolitik die Haushaltszahlen auf dem Tisch liegen, wirkt der Bildungsetat oft wie ein monströser Block. Kita-Ausbau, Sanierung von Schulgebäuden, Digitalisierung, Ganztag usw. – in der Stuttgarter Presse war zuletzt von jährlich 800 Mio. Euro pro Jahr die Rede. Gleichzeitig heben andere Bereiche die Finger: Straßen, Pflege, Sicherheit, Stuttgart-Sign für den Selfie-Tourismus – in der Mainstream-Ökonomik präsentiert sich eine solche Gemengelage in dem äußerst dürftigen Modell der sog. Transformationskurve: Mehr Kanonen heißt weniger Butter. Dieser Kanonen-Butter-Logik sind zuletzt Grüne, CDU und Freie Wähler im Stuttgarter Gemeinderat angesichts des reduzierten Stroms an gewerblichen Steuereinnahmen verfallen und haben massive Kürzungen u. a. im Sozialbereich, in der Kultur und eben in der Bildung durchgesetzt. In der Schulsozialarbeit und in der offenen Kinder- und Jugendhilfe werden die Förderungen 2026 um 5 % und 2027 um 10 % gekürzt. Die Schulen wiederum werden an konkreten Positionen geschröpft: Schülerfahrten gestrichen, das Bonuscard-Budget gekürzt, Schultoilettenreinigung reduziert u. v. m. Der pädagogische Ganztag an den Grundschulen ist mit einem blauen Auge davongekommen, allerdings wird die Finanzierung des Ganztags an den weiterführenden Schulen wieder auf das ursprüngliche Fördermodell zurückgesetzt, die Differenz wird für manche Träger sechsstellig ausfallen. Der winzige Förderzuschuss für Hausaufgaben-, Sprach- und Lernhilfen ist ganz gestrichen. In all diesem Feldern ist die AWO Stuttgart aktiv und betroffen.
Doch handelt es sich bei Investitionen in die Bildung um die berüchtigten „konsumtiven Ausgaben“, die in der Tat nur Strohfeuer ohne nachhaltige Wirkung erzeugen? Im Gegenteil, wie hier unter Rückgriff auf die Forschung erläutern wird.